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Die erste Frau in der Zimmerer-Nationalmannschaft

"Als Teammitglied möchte ich zeigen, dass es ganz normal ist als Frau im Zimmererhandwerk zu arbeiten", sagt Katja M. Wiesenmüller.

Katja M. Wiesenmüller (21) ist die erste Frau in der Zimmerer-Nationalmannschaft. Im Interview verrät die junge Zimmerer-Gesellin aus Oyten nahe Bremen, wie sie das geschafft hat und wie die Stimmung aktuell im Nationalteam ist.

Steckbrief von Katja M. Wiesenmüller

Alter: 21
Zimmerer-Gesellin
Hobbys: Fußball und Tennis spielen, Segeln, Skifahren

Du bist die erste Frau in der Zimmerer-Nationalmannschaft. Was bedeutet’s dir?

Katja M. Wiesenmüller: Es ist eine besondere Ehre. Als Teammitglied möchte ich zeigen, dass es ganz normal ist als Frau im Zimmererhandwerk zu arbeiten – da kommt es nicht aufs Geschlecht an. Wir können die gleiche Leistung bringen wie Männer!

Ein Beispiel: Um in die Nationalmannschaft zu kommen, musste ich mich genauso bei Wettbewerben durchsetzen wie meine fünf Teamkollegen.

Wie schwer war es, ins Team zu kommen?

Der erste Schritt: Mit meiner Gesellenprüfung war ich die Beste in der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade und habe danach den Landesentscheid Niedersachsen gewonnen. Dann ging es zur Deutschen Meisterschaft 2019 in Rostrup/Bad Zwischenahn, dort habe ich den 3. Platz belegt.

Zu diesem Wettbewerb kam auch der stellvertretende Leiter der Zimmerer-Nationalmannschaft Andreas Großhardt. Am Abend der Siegerehrung hat er mich angesprochen, ob ich es mir vorstellen könnte Mitglied des Teams zu werden. Eigentlich hatte ich mich schon für die Meisterschule angemeldet, aber diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen!

Das Handwerk liegt bei Katja Wiesenmüller in der Familie: Zu ihrem Beruf kam sie schließlich durch den Hausbau ihrer Eltern.

Warum bist du Zimmerin geworden?

Bei einem Test vor meinem Abitur stellte sich heraus, dass der Beruf Bootsbauerin zu mir passen würde. Aber auf diesem Gebiet habe ich keinen Ausbildungsplatz bekommen. Ich habe dann zwischen Zimmerin und Tischlerin geschwankt - das Handwerk liegt bei mir in der Familie, schon mein Opa war Tischler und mein Vater ist selbstständiger Elektriker. 

Meine Entscheidung ist gefallen, als ich beim Hausbau meiner Eltern mitgeholfen habe, denn beim Dachausbau habe ich meinen heutigen Chef kennengelernt. Ursprünglich habe ich auch überlegt Bauingenieurwesen oder Architektur zu studieren, aber an der Uni hätte mir einfach der Praxisbezug gefehlt.

Zurück zum Nationalteam - welche Vorteile hast du als Mitglied?

Der größte Vorteil ist, dass man viele Erfahrungen sammelt, zum Beispiel Dachmodule baut, die sehr tückische Stellen haben. Das bringt mich weiter, wenn ich noch die Meisterschule besuche. Unsere Trainer haben echt was drauf, da habe ich großen Respekt!

Außerdem werden wir bei Trainingslagern von unseren Holzbau Deutschland-Leistungspartnern finanziell unterstützt, so dass wir uns gut auf die internationalen Wettbewerbe vorbereiten können. Und ich finde es schön, dass ich meinen Beruf präsentieren darf.

Auf jeden Fall. Und wie ist aktuell die Stimmung in eurem Team?

Wegen der Corona-Pandemie sehen wir uns momentan nicht so oft, da einige unserer Trainingslager leider ausgefallen sind. Auch die geplante Europameisterschaft in Klagenfurt im September wird nicht stattfinden. Darüber bin ich natürlich traurig.

Mal schauen, auf wann sie verschoben wird, und ob ich noch daran teilnehmen kann. In den folgenden Jahren kann ich nämlich wegen der Altersgrenze eventuell nicht mehr an einer EM teilnehmen.

Wir drücken die Daumen! Einige Trainingslager konnten heuer aber stattfinden, wie in Bühl und auf der Messe DACH+HOLZ – wie verläuft ein typischer Trainingstag?

Das sind sehr anstrengende Tage. Wir trainieren meist von morgens bis abends, manchmal auch mit Open End. Das gehört dazu und macht auch Spaß. Wir wollen die Zeit zusammen optimal nutzen. Danach gehen wir noch was essen und trinken mal ein Bier zusammen – so lernt man auch voneinander und erzählt, wie die Arbeit im Heimatbetrieb abläuft.

Ich komme aus einem eher kleinen Betrieb, deshalb ist es interessant zu hören, wie es in anderen Betrieben zugeht.

Training von morgens bis Open End: Im Trainingslager in Bühl haben die Mitglieder der Zimmerer-Nationalmannschaft die Zeit optimal genutzt.

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