| Prävention & Arbeitsschutz

Luftkissen-Test mit Dummy-Puppe

Praxistest im BTZ Memmingen: Aus einer Höhe von rund drei Metern wurde die Dummy-Puppe auf die Luftkissen fallen gelassen.

In Großbritannien werden Luftsäcke zur Absturzsicherung nach innen schon seit Jahren genutzt. Auch das Berufsbildungs- und Technologiezentrum (BTZ) Memmingen freute sich über zehn der gelben Kissen und machte am 9. Juni 2021 den Praxistest mithilfe von Gabelstapler, Gartenhaus und Dummy-Puppe.

Finanziert und gefördert wurden die Luftsäcke aus Mitteln des Bayerischen Zimmerer- und Holzbaugewerbes mit Unterstützung durch die Bayerische Bauwirtschaft. Die Säcke sollen schwere Verletzungen durch Absturzunfälle bei Höhen von bis zu drei Metern verhindern, etwa beim Deckenbalkenverlegen - wenn eine Absicherung mit Gerüst, Lifeline-System oder Fangnetzen aus technischen Gründen nicht funktioniert.

Auf der Baustelle wird das Gebilde unter eine Gefahrenstelle geschoben. Wenn Zimmerer/Zimmerinnen abstürzen, landen sie auf den Luftsäcken.

Bauten das Testszenario am Gartenhaus auf: v.l. Adelbert Sohler, Franz Leonhardt, Andreas Kraft und Thorsten Sonntag.

Vor rund 45 Zimmerer-Azubis erklärte LIV-Referent Andreas Kraft, wie die Luftkissen zur Absturzsicherung eingesetzt werden.

Zum Praxistest: Zunächst legten die Zimmerer-Fachlehrer Adelbert Sohler, Franz Leonhardt und Thorsten Sonntag die Säcke auf dem Boden eines noch unfertigen Gartenhauses aus. Anschließend wurden die Kissen mit einem Gebläse aufgepumpt, pro Luftsack dauert das rund 30 Sekunden. Dann wurden Säcke durch Steckverschlüsse miteinander verbunden.

Rund 45 Zimmerer-Azubis schauen bei Praxistest zu

Klar, an diese Vorbereitungszeit müssen sich Zimmerer/Zimmerinnen erst gewöhnen, sagte Sohler, aber: „Auch gegen das Gerüst gab es früher Vorurteile. Alles, was Sicherheitsmaßnahmen betrifft, muss eben erstmal in die Köpfe rein.“

Deshalb schauten rund 45 Zimmerer-Azubis beim Praxistest im Freien des BTZ zu. Dabei wurde eine 56 Kilogramm schwere Dummy-Puppe an einem Gabelstapler befestigt. Dieser bewegte die Puppe Richtung Dachfirst des Gartenhauses und ließ sie von dort auf die Luftkissen fallen.

Vom Gabelstapler aus wurde die Puppe auf die Luftkissen fallen gelassen.

„Es ist auf jeden Fall weicher als auf harten Beton zu fallen“, erklärte Andreas Kraft.

Anschließend erklärte Andreas Kraft, Referent für Prävention beim Landesinnungsverband, den Azubis: „Die BG hat festgestellt, dass leider immer mehr Absturzunfälle passieren“, vor allem bei Höhen bis zu drei Metern. Die Luftkissen können das Verletzungsrisiko senken: „Es ist auf jeden Fall weicher als auf harten Beton zu fallen.“

Sohler: "Wenn ein Unfall passiert, wird es noch teurer“

Fazit von Fachlehrer Franz Leonhardt: „Die Luftsäcke verringern auf jeden Fall die Absturzhöhe und dadurch schwere Unfallschäden.“ Sein Kollege Adelbert Sohler fügte hinzu: „Natürlich kostet es Arbeitszeit, die Luftkissen aufzublasen und auszulegen. Aber wenn ein Unfall passiert, wird es noch teurer.“ Dann steigt der BG-Beitrag, der Mitarbeiter fällt aus und Unfälle bringen menschliches Leid mit sich!

Übrigens: Eine Studie aus 2019 hat Unfallberichte zu solchen „Soft Landing Systems“ untersucht, so Kraft: "Und dabei wurden keine lebensbedrohlichen Unfälle festgestellt. Mit einer Ausnahme gab es nur Prellungen und Zerrungen bei Unfällen mit den Luftsäcken, wenn der Abgestürzte keine anderen Gegenstände getroffen hat oder von ihnen getroffen worden ist.“

Vergleichsweise weich landete die Puppe nach dem Fall aus rund drei Metern Höhe.

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