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Mitarbeiter wollen Wertschätzung!

Herr Hummel, drei Ihrer Mitarbeiter haben kürzlich den Vorarbeiterkurs beendet. Wie kam es dazu?
Um einem Fachkräftemangel vorzubeugen, hatten wir im letzten Jahr Bedarf an zwei bis drei weiteren, guten Mitarbeitern. Da es schwer ist, gute Fachkräfte zu finden, habe ich bewusst Menschen gesucht, die sich weiterentwickeln wollen. Im Handwerk sind zwar alle Mitarbeiter recht betriebstreu, als Unternehmer muss man ihnen aber regelmäßig berufliche Perspektiven für eine Weiterentwicklung anbieten.

Letztes Jahr haben wir also bewusst eine Stellenanzeige geschaltet, in der wir Vorarbeiter oder alternativ Gesellen, die Interesse an einem Vorarbeiterkurs haben, suchten. Das war
erfolgreich. Den beiden neuen Mitarbeitern haben wir den Vorarbeiterkurs finanziert. Einige der bereits länger bei uns beschäftigten Gesellen äußerten daraufhin ebenfalls Interesse, den nächsten Karriereschritt zum Vorarbeiter zu gehen. Das hatte ich nicht erwartet, aber ich finde es richtig gut, dass sich das so gegenseitig befruchtet hat.

Hat der Kurs die Erwartungen erfüllt?
Für uns hat es natürlich Vorteile, dass wir jetzt Vorarbeiter im Betrieb haben. Im Augsburger Kurs wird ja auch „Bauen im Bestand“ thematisiert. Das ist für unsere Mitarbeiter richtig gut und wir können dann als Betrieb auf das vermittelte Wissen aufbauen. Und auch in der Außenwirkung ist es etwas Anderes. Die Mitarbeiter reflektieren, was sie im Kurs gelernt haben. Sie trauen sich mehr zu und übernehmen diese zusätzliche Verantwortung gerne.

Außerdem bringt der Kurs einem jungen Menschen einen Titel, auf den er zu Recht stolz sein kann und in eine höhere Gehaltsstufe kommt er außerdem noch. Der große Vorteil für
die Teilnehmer an dem Kurs ist, dass es relativ kleine Gruppengrößen sind. Da lernt man natürlich besser und intensiver. Generell wird der Vorarbeiterkurs in Augsburg aber derzeit noch viel zu wenig angenommen.

Würden Sie dieses Vorgehen auch anderen Betrieben empfehlen?
Das Angebot für eine berufliche Entwicklung bzw. das Aufzeigen von Perspektive zieht meiner Meinung nach viel mehr als alles andere. Wer motivierte Allround-Mitarbeiter haben
möchte, die in ihrem Beruf Verantwortung übernehmen, sollte die Kurse unbedingt nutzen! Es ist sicherlich eines der aktuell besten Mittel gegen Fachkräftemangel. Alles andere, irgendwelche Boni, Führerschein, 4-Tage-Woche sind doch mittlerweile total ausgelutscht.

Für Mitarbeiter, die in ihrem Beruf vorankommen wollen, ist das top. Damit entwickelt man Fachkräfte, die erworbenes Wissen ins Unternehmen einbringen. Die Mitarbeiter haben für sich selber ganz oft klare berufliche Ziele. Ich kann in diesem Sinne wirklich nur raten, dass man diese Wünsche seiner Mitarbeiter herausfindet und als Unternehmer aktiv fördert. Bei der ganzen Sache gibt es aber noch einen weiteren ganz wichtigen Effekt: Sie bringen damit eine Wertschätzung gegenüber ihrem Mitarbeiter klar zum Ausdruck. Und das darf man keinesfalls unterschätzen.

Natürlich muss man auch bereit sein, Geld in die Hand zu nehmen. Aber Stellenanzeigen, auf die sich dann niemand meldet, kosten auch richtig gut Geld. Ich würde es auf jeden Fall
wieder genauso machen!

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