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Selina Möbius: „Ich habe nicht so viele Muckis, dafür mehr Köpfchen“

"Während des Architekturstudiums habe ich mir mehr Praxisbezug gewünscht", sagt Selina Möbius. Deshalb hat sie ihre Lehre zur Zimmerin begonnen.

Sie ist die erste Frau in ihrem Ausbildungsbetrieb „Das Bauteam“ in Unterschleißheim und macht dort ihre Ausbildung zur Zimmerin. Hier erzählt Selina Möbius (23), warum sie sich dafür entschieden hat und wie sie sich als junge Frau auf der Baustelle durchsetzt.

Steckbrief von Selina Möbius
Alter: 23
2. Ausbildungsjahr
Hobbys: Snowboarden, Skateboard fahren, Bouldern

Sie erzählt: „Am Anfang haben mich meine Kollegen auf der Baustelle mit Samthandschuhen angefasst und mir die schweren Bauteile immer abgenommen.“ Mittlerweile hat sich das geändert: „Ich sage einfach, wenn ich beim Tragen Hilfe brauche.“

Und wenn sie mal einen komischen Spruch von Mitarbeitern aus anderen Gewerken hört, sagt sie einfach: "Ich habe vielleicht nicht so viele Muckis, dafür mehr Köpfchen."

„Man ist den ganzen Tag in Bewegung. Die Arbeit hält auf jeden Fall fit!“

Selina Möbius hat ihre Lehre begonnen, nachdem sie ihr Architekturstudium abgeschlossen hat: „In der Uni haben viele nur mit Stahl geplant. Aber ich habe gemerkt, dass mir der nachhaltige Aspekt wichtig ist - nämlich das klimagerechte Bauen mit Holz für die Umwelt.“ Und sie ergänzt: „Schon während des Studiums habe ich mir mehr Praxisbezug gewünscht.“

Dieser Wunsch hat sich erfüllt: Als Zimmerin errichtet sie Dachstühle, baut Fenster ein, setzt Dachlatten oder verlegt Ziegel: „Man ist den ganzen Tag in Bewegung – in einer positiven Art. Die Arbeit hält auf jeden Fall fit!“

Ihr Arbeitstag beginnt um 6.30 Uhr: „Dann laden wir Holz auf den Transporter, fahren auf die Baustelle, bereiten die Akkus von allen Geräten vor und starten in kleinen Teams.“

„Je öfter ich die großen Maschinen benutze, desto sicherer fühle ich mich damit“

Das Arbeiten mit den teils gefährlichen Maschinen war zunächst ungewohnt für sie, sagt die Auszubildende: „Vor den großen Kreissägen hatte ich am Anfang viel Respekt. Aber je öfter ich sie benutze, desto sicherer fühle ich mich damit.“

Sie ist überzeugt: „Die Maschinen erleichtern unsere Arbeit, aber ersetzen die traditionellen Werkzeuge nicht. Der Zimmererwinkel und ein Latthammer dürfen auf der Baustelle genauso wenig fehlen wie ein Akkuschrauber.“

Außerdem schätzt sie an ihrem Beruf, dass sie die Ergebnisse ihrer Arbeit sieht: „Wenn wir zum ersten Mal auf die Baustelle kommen, steht noch kein Dachstuhl. Dann macht es mich stolz, wenn dieser nach und nach durch uns entsteht.“

Und sie fügt hinzu: „Ich freue mich darauf, wenn ich irgendwann an einer ehemaligen Baustelle vorbeifahre und sagen kann: Diesen Dachstuhl habe ich gebaut.“


Informationen zur Ausbildung:

Maschinen erleichtern den Arbeitsalltag: Hier nutzt Selina Möbius den Kettenstemmer. 

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