Das Zimmererhandwerk von Vorurteilen entstauben

Sebastian Harrer

Sebastian Harrer ist Filmemacher, Gründer und Inhaber der Filmhütte Medienproduktion im oberbayerischen Waldkraiburg. Für unseren Verband hat er mit seinem Team aus Filmschaffenden und etablierten Schauspielern unseren Ausbildungsfilm „Der Teufelsknoten“ konzipiert und umgesetzt.

Herr Harrer, wie entstand die Idee für die Geschichte des Ausbildungsfilms?

Wir hatten anfangs ein sehr offenes Brainstorming, wie man sich dem Thema annähern könnte. Was zeichnet das Zimmererhandwerk aus? Was bietet es? Aus welchem Umfeld kommt der Nachwuchs? Kommen die immer aus Handwerksbetrieben? Es zeichnet sich seit einigen Jahren ein Trend zurück zum Handwerk ab. Heranwachsende, auch vermehrt aus Akademikerfamilien, orientieren sich zunehmend zu praktischeren Berufen als Ihre Eltern.

Warum wurde ein Spielfilmansatz gewählt und kein klassischer Imagefilm?

Die Aufgabenstellung hier war klar: das Projekt soll einen filmischen Charakter haben, über den klassischen Image-Clip hinaus gehen und das Handwerk von Klischees und Vorurteilen entstauben. Wenn in der Familie über den Berufswunsch diskutiert wird, wird es oft emotional. Genau das ist spannend, wenn Emotionen auf Fakten treffen. Denn die Zimmererausbildung hat ganz objektiv betrachtet enorm viel zu bieten und ist einer der wenigen zukunftssicheren Berufe mit Potential, den wollten wir positiv emotionalisieren. Und eben deswegen haben wir einen dramatischen Ansatz gewählt, damit der Zuschauer sich mit den Charakteren und deren Emotionen identifizieren können.

Von der ersten Idee bis zum fertigen Film war es ein längerer Weg. Welche Herausforderungen mussten Sie bei Konzeption und Dreharbeiten meistern?

Ich möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich bei den beteiligten Mitgliedsbetrieben bedanken, die sich die Zeit genommen haben, mich in Ihr Handwerk einzuführen! Das war für die Recherche extrem hilfreich! In der Produktion selbst waren die Herausforderungen im Grunde die gleichen wie bei jedem Film. Es braucht ein hervorragendes Team, passende Locations inklusive Ausstattung, entsprechende Planung, Logistik und natürlich die perfekte Cast! Jakob, Ina und Christian sind großartig in Ihren Rollen und ich bin sehr dankbar, dass Sie sich hinter das Projekt gestellt haben.

Der Teufelsknoten taucht immer wieder im Film auf und gibt ihm sogar seinen Namen. Welche Bedeutung hat dieses kleine Holzpuzzle für die Geschichte?

Der Teufelsknoten als Symbol funktioniert auf mehreren Ebenen. Einerseits als Verkörperung des Konflikts zwischen dem tatendurstigen, zukunftsorientierten Sohn und dem besorgten, skeptischen Vater, dem der Sohn durch die Fertigung des Teufelsknotens metaphorisch entwächst. Andererseits ist dieses kleine 3D-Puzzle die perfekte Verkörperung, wie Handwerk Mehrwert schafft. Der Materialwert an sich ist relativ gering, der Wert definiert sich durch Präzision, Konstruktion, Verarbeitung. Und natürlich muss man geschickt und clever sein, um ihn zu lösen…

Für die Dreharbeiten haben Sie viele Einblicke in den modernen Holzbau erhalten. Was hat Sie dabei persönlich am meisten überrascht?

Die Nachhaltigkeit! Die Herstellung von Beton verursacht 8 Prozent des weltweiten CO Ausstoßes. Holz hingegen ist ein nachwachsender Rohstoff, der Emissionen bindet, anstatt Sie in die Atmosphäre zu entlassen. Zimmerer bauen damit Häuser, sanieren Denkmäler, wechseln Kirchturmspitzen und entwerfen individuelle Lösungen, um den Bestand zu erweitern. Die Arbeit mit Holz ist also nicht nur nachhaltig, sondern auch sinnhaft. Sinnlich sowieso, man kann es riechen, fühlen und damit auf Generationen leben, sofern man bei Bedarf einen Zimmerer zur Hand hat.